Sonntag, 30. Oktober 2011

Amerikanischer Northeaster, Schneefall, Irischer Sturm und Alpenföhn

Hallo,

im letzten Eintrag vor der Urlaubspause möchte ich darauf eingehen, was all die Begriffe in der Überschrift gemeinsam haben, was Sie verbindet. 

Der Antwort erster Teil: Normalerweise nicht viel bis meistens gar nichts.

Der Antwort 2. Teil. In diesen Tagen extrem viel ! All die genannten Phänomene wurden bzw. werden von ein und dem selben bemerkenswerten Tief von heute bis Mittwoch/Donnerstag vollbracht. Aber eins nach dem anderen.

Zur Erinnerung: Was ist ein Northeaster ? Ein Tief das vor der Küste der US Neuenglandstaaten nach Nordosten zieht, an seiner Rückseite kalte Luft aus dem Norden bodennah ansaugt, über die in der Höhe warm-feuchte Atlantikluft aufgleitet. Das Resultat: Im Frühling und Sommer und Herbst Regen, im Spätherbst und Winter (viel) Schnee. Und es schneit gerade bzw. hat vielerorts bis auf Meeresniveau herab geschneit, wie z.B in Boston/Mass.




So sieht der Northeaster derzeit auf der 850 hPa Karte aus:



Er zieht jetzt aber nach Nordosten, später Osten weiter und verlässt damit das Hoheitsgebiet Kanadas und der USA, um sich dem freien Spiel der Kärfte auf dem Atlantik auszusetzen. Das bekommt dem Kerl gut, denn er entwickelt sich in den kommenden 48 Stunden prächtig.

Am Dienstag taucht er aus Westen kommend auf den für Europa relevanten Wetterkartenabschnitten auf:



Auf  dieser Karte sind zwar mehrere Tiefkerne zu sehen, der ehemalige Schneesturm ist aber das Ei, das im linken unteren Bilddrittel auftaucht und sich auf den Folgekarten Richtung Irland schiebt....





Hierbei zeigt das Windfeld einen breite Südsturmzone im Warmsektor des Tiefs, dabei wird die Küste Irlands im Modell von Mittelwinden bis an die 50 kt, also schwere Sturmstärke gebeutelt. Es ist davon auszugehen, dass auch das Binnenland der grünen Insel seinen Teil abbekommt.

Das obige Bodenwindfeld, das Temperaturfeld sowie Bewölkungsfelder und die Position rel. zum Jetstreak lassen die Möglichkeit einer Shapiro-Keyser Entwicklung zumindest offen:


Bewölkung: Tiefe Wolken als blaue Kasteln, Mittelhohe solid-braun, hohe schraffiert (gewöhnungsbedürftig, aber effizient) . Eine Hammerkopfstruktur der Wolken ist mehr als deutlich zu erkennen.



.. ebenso zeigt das Temperaturbild ausnehmend schön die SHPK-Charakteristik: Breites Aufgleitfeld an der Vorderseite, höchste Werte direkt vor der Kaltfront, scharfer Temperaturgradient an der Kaltfront.



... und das Bodentief liegt im rechten Eingangsbereich des markanten Warmfrontjets. Sehr stimmiges Bild.

Sollte die Entwicklung so kommen, wir man wahrscheinlich wieder einige nicht so gute Nachrichten vom Irischen Wetter und dessen Unbill hören.

Zurück zum Bodendruck...


Ziwschen dem Ostatlantiktief (bin gespannt wie es heißen wird) und einem starken Hoch mit Kern über Weißrussland wird der Druckgradient über die Alpen auch wieder stärker und man sieht in der Mittwochnachtkarte schon eine ansehnliche Föhnase im Bodendruck über den Alpen.

Und der Föhn bleibt dass Thema für den Rest der Woche. Dem enstprechend freundlich die Ausscihten für jene glücklichen, die inneralpin bzw. am Berg leben, wenig Trost kann ich denen unter dem berühmt-berüchtigten Hochnebelhalbmond in der Osthälfte zukommen lassen. Nur diesen: Selten aber doch schafft es der Wechselföhn, wenn er denn kommt, den Hochnebel zu vertreiben. ...


Ich mache jetzt mal gute 12 Tage Pause, und zwar hier:



Auf dieser CAPE-Karte zeigt der Pfeil auf Bali. Die ist eine der kleinen Sundainseln, zu Indonesien gehörig, und man sieht an der Verteilung der CAPE, wie die tropische Konvergenz und Gewitterzone jetzt allmählich den Äquator überschreitet und sich auf die Südhalbkugel verlagert. Sollte mir also in den kommenden tagen etwas wettertechnisch tropisch-interessantes vor die Linse kommen, werd ich den Eindruck mit der Leserschaft hier teilen.

Ich wünsch Euch eine schöne erste Novemberhälfte und mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich bis zum nächsten Festland-Blogeintrag wahrscheinlich keinen mitteleuropäischen Wintereinbruch verpassen werde.

Lg

Manfred

Sonntag, 23. Oktober 2011

Prächtige Shapiro-Keyser Zyklone und ungewöhnliche Sturmwetterlage

Hallo,

diese Woche steht vielen Europäern, von Portugal bis Schottland und von Frankreich bis Polen, also kreuz und quer, stürmisches Wetter ins Haus.... aufgrund einer recht ungewöhnlichen, weil ungewöhnlich starken Frontalzone, die sich von Süd nach Nord verlaufend quer über den Kontinent legen wird.

Den Anfang macht ein Prachtexemplar einer Shapiro-Keyser Zyklone, derzeit mit ihrem Kern südlich von Irland:


Man sieht in den Modellen relativ zum Tiefzentrum 2 Gebiete, wo Sturm bzw. Orkanböen im Moment auftreten:




Es ist einerseits der breite Warmsektor östllich des Bodenkernes,, inklusive der Vorderseite der markanten Kaltfront, zum anderen der Bereich der rückseitigen Okklusion....

auch sonst sind viele Indikatoren des konzeptionellen SHPK-Modells erfüllt:



In der simulierten Radarreflektivität sieht man das breite Aufgleitgebiet (Regen) entlang von Okklusion und Warmfront, während die Kaltfrontniederschläge sehr intensiv, aber sehr schmal und linienförmig angeordnet sind, auch mit reichlich Konvektion versehen...

Plausibilisiert wird dies durch die Verteilung der äquivalentpotentiellen Temperatur:


sowie durch ModellCIN und CAPE:


.. man sieht wie an der Kaltfront vor der Iberischen Halbinsel haufenweise schwach- oder ungedeckelte CAPE vorhanden ist.

..und um die Sache abzurunden, schaut man auf die Höhenströmung, so liegt der Kern dort, wo er bei einer SHPK liegen sollte...


.. nämlich im rechten, hinteren Eingangsbereich eines Jet-Maximums (im Bild ist das Maximum in der oberen linken Ecke angedeutet).

Diese SHKP kommt aber nicht nach Osten voran sondern wandert nach Nordwesten, Richtung Island zurück. Einer der Gründe dafür ist auf dem letzten Bild zu sehen. Über Kontinentaleuropa lagert eine so genannte High-overLow Konstellation. Ein Höhenhoch über der Ostsee, im Süden flankiert von einem alten Kaltlufttropfen mit dztg. Zentrum über Rijeka. (dem Ei haben wir die aktuelle *Suppn* im Süden und Osten zu verdanken). So eine High-over low Konstellation ist recht stabil und wirkt auf Atlantische Störungen wie ein Prellbock. Bis morgen ... denn dann bricht die Konstellation auf und das Höhentief wird an der Vorderseite des Ostatlantiktroges nach Norden hin abtransportiert.

Druckanstieg über Osteuropa und weiterer Druckfall über Westeuropa ist die Folge.. die Gegensätze verschärfen sich deutlich, der Wind dreht über weiten Teilen des Kontinents auf Süd bis Südost ... und weht dabei nicht zu knapp:


Das ist die Situation in der Nacht von Montag auf Dienstag. Bemerkenswert: Jedes Gebirge, dass sich dem starken Südostwind in den Weg stellt, produziert Föhn mit lokalen Windmaxima.. zu sehen an den deutsche Mittelgebirgen (Rothaargebrige, Erzgebirge ... "Böhmischer " Wind), an den Alpen, dem Tschechischen Hügelland, den Balkangebirgen..

Besonders eindrucksvoll ist die Strömungskonstallation über den Westalpen und Genua. Die Luft kann dem Zwang über die Alpen nicht folgen, die sind zu hoch. Sie muss ausweichen,. überströmt die Verbindung aus Alpen und Appeninen nach Süden aufs Mittelmeer hinaus, folgt dem Küstenverlauf und biegt dann nach Frankreich hinein, nicht ohne dabei ordentlich beschleunigt zu werden... auch zu sehen an der Wahrscheinlichkeitskarte für Böen größer als 90 km/h...


Auf Österreich gemünzt heisst das: Im Lauf des Dienstags wird abseits der obligaten Föhnregionen der Ost bis Südostwind auch im Flachland und dem nördlichen Alpenvorland stürmisch, wobei teilweise von recht hohen Mittelwinden, vielleichrt lokal bis 30 kt auszugehen ist, die Böigkeit aber im Vergleich zu Weststurmlagen eher gering ist.

Abflachen wird die Situation dann Richtung Mittwoch und Donnerstag, mit der Verlagerung der Tiefdrucktätigkeit vom Atlantik zum westlichen Mittelmeer fällt dort der Druck, während er über den Britischen Inseln steigt, und somit der Druckgradient über weiten Teilen des Kontinents abgebaut wird.

Zusammenfassung: Eine Extraportion TAFT am Dienstag, und die Frisur übersteht den Tag im Freien.

Lg

Manfred

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Neue Vorhersageloops - Finalversion

Hallo,

ich hab habe für Euch (und nat. auch ganz eigennützig für mich selbst) neue Parameter und Kombinationen von Parametern, die über das Vorhersageleben in Europa und Österreich im Winter helfen sollten, zusammengestellt und möchte diese Konfigs fürt ein paar Monate einfrieren. Die Loops werden jeweils 4x täglich generiert, die volle Länge erreichen sie jeweils gegen 08:50, 14:50, 20:50, 02:50 UTC. Die Loops der letzten 24 Stunden sind via drop-down abrufbar.

Da die Namen und Parameter nicht allzu selbsterklärend sind (selbst für andere Meteorologen !), heute ein kurzes Erklärstück zur Namensgebung und Verwendbarkeit der Loops.


CAPE - Die convective available potential Energy, dargestellt in Farben, gemeinsam mit dem Lifted Index in Symbolen (in 3 Kategorien .. horizontal nahe 0, diagonal bis minus 3, kreuzerln unter - minus 3, also ganz schön labil).  Ganz trivial gesagt hilft einem dieses Parameterset, festzustellen, wo es wann nennenswerte Konvektion (Schauer und Gewitter) geben kann. Sinnvoll ist die Karte aber nur in Zusammenschau mit...



CIN0 .. die convective inhibition. Bei Cape größer 0 ist die Größe definiert und markiert die Energie , die überwunden werden muss, damit das freie Steigen einsetzen kann. Auf der Karte ist die CIN in Farben , die CAPE  in Symbolen (wieder in 3 Kategorien) dargestellt. Ist CAPE zwar hoch, CIN aber auch nennenswert niedrig (gelbe, blaue Farben ..) dann wird nix passieren, der Deckel kann kaum überwunden werden ... nennenswerte CAPE-Werte und CIN im rosa oder farblosen Bereich (nahe 0 !) sind Zeichen für Obacht.. hier ist die CAPE kaum gedeckelt und der geringste Anlass kann zu nennenswerter Konvektion führen.





RDBZ und RDCA .. zwei ähnliche Karten der Niederschlagsrate umgerechnet in Radarreflektivität und auch dargestellt wie ein Radarbild. Auf RDBZ ist diese kombiniert mit dem Bodendruck in hPa, auf der zweiten ist dargstellt ob der Niederschlag flüssig (horizontale Linien) oder fest/gefroren (Kreuzerln) fällt.



RADF, COVR und CLRA .. es handelt sich um 3 unterschiedliche Kombinationen aus Bewölkung, kurzwelliger Sonnenstrahlung und Niederschlag. In den Bewölkungskarten sind die tiefen Wolken als Quadrate (in Blautönen), die mittelhohen in Brauntönen, die hohen als schwerze, diagonale Linien dargestellt. In Kombination mit der Strahlung sieht man sehr schnell, wie stark die Wolken abschatten, in Kombination mit dem Niederschlag sieht man den Unterschied regnerische Gebiete zu sonnige Gebiete. Die Strahlung selbst ist in Rottönen gehalten (je röter desto intensiver der Sonnenschein), der Niederschlag in Blautönen.



GUSTS und P-75/P-90 Diese Loops beziehen sich auf die Verteilung der Windböen. Während die erste Animation die Böenstärke in Knoten angibt ( Umrechnung in km/h : mal 1.8) zeigen die anderen beiden die Wahrscheinlichkeit an, dass die Böen 75 bzw. 90 km/h überschreiten.


ThetaE, die äquivalentpotentielle Temperatur in 850 hPa. Sie kombiniert 3 Energieformen in der Atmosphäre und ist dehalb sehr gut geeignet, Luftmassen von einander zu unterschieden und Fronten (dort wo starke Unterschiede sind) zu finden. Dargestellt zusammen mit dem Bodendruck und dem Wind in 850 hPa. Auch Faustregeln für die Schneefallgrenze lassen sich ableiten:

ThetaE = 12: Schneefall bis Meeresniveau, 24 -> 1000m, 36 -> 2000m usw. usf.



Als letzte Karte: der 3 -s tündige Niederschlag in mm oder L/m² kombiniert mit der 0-Grad Grenze in km. So lässt sich etwa abschätzen, wie weit herunter es schneien kann (je nach Wetterlage 200 bis 500m unter die 0-Grad-Grenze, im Extremfall noch weiter).


Nahcdem ich Euch all die Anis jetzt erklärt habe, nehme ich mir einen Tag Pause und verzichte auf die Behandlung des kommenden, spannenden Kaltfrontdurchganges.. (Do-it-yourself :)

Lg und schönen Tag

Manfred

Montag, 17. Oktober 2011

Schwarzmeerorkan...

Hallo,

Penible werden die Überschrift kritisieren, der Orkan erst ab 122 km/h Mittelwind beginnt, das halte ich aber aus. Denndie Überschrift soll dem aktuellen Tief, das derzeit die Schwerzmeerküsten Rumäniens und Bulgariens heimsucht und vielerorts für schwere Schäden, teils durch den schweren Sturm, teils durch den heftigen Regen, sorgt, gerecht werden.

In den letzten 2 Tagen begann dieses bermerkenswerte Tief eigentlich recht harmlos sein Leben ... und zwar als Kaltlufttropfen, der aus Nordosten Richtung Balkan zog... hier dargestellt anhand der Höhenkarte in 300 hPa:








Der Kaltlufttropfen ist polaren Ursprungs und dem entsprechend mit hochreichender Kaltluft angefüllt. Über Land ist das nicht weiter dramatisch, zieht so ein Gebilde aber über warmes Wasser, und jenes des Schwarzen Meeres ist noch vergleichsweise warm, dann kracht es, und zwar ordentlich.

So stellte sich die Situation an den Wetterstationen um 14 Uhr dar ..


und so um 17 Uhr:



Man sieht im Grenzgebiet zwischen Rumänien und Bulgarien Wetterstaionen mit 70 bis 80, eine mit fast 90 km/h Mittelwind, dazu Böen bis nahe 120 km/h. Dazu melden die Stationen starken Regen, eine sogar ein schweres Gewitter. Der Druck im Süden Bulgariens geht bis 10007 hPa hinunter, während er über Bukarest und im Norden Rumäniens bei 1025 und 1030 hPa liegt. Hier herrscht also ein enormer Druckgradient.

Die Globalmodelle  waren nicht in der Lage den Kern dieses Tiefs ausreichend gut einzuschätzen. Das GFS lag mit 1015 hPa weit daneben.
Etwas besser das ECMWF mit 1011 hPa:


Allerdings ist die Prognose des Sturmfeldes sehr schlecht mit der Realität zu vereinen. Statt 45 kt im Nordosten Bulgariens gibt das Modell hier weniger als 15 kt.

Deutlich besser das britische Modell:


Hier ist der Kerndruck des heutigen 6z Modells mit 1008 hPa schon nah an der Wahrheit und auch das Sturmfeld ist deutlich stärker als im ECMWF, aber immer noch etwas zu schwach.

Am besten hat heute die Lage das WRF-Modell erwischt:


Hier gehen die Küstengeschwindigkeiten bis 45 kt, was ziemlich genau zu den Messwerten passt. Der Kerndruck ist mit 1007 hPa ebenfalls gut getroffen. Auch die Böen kommen gut hin:



Zusammenfassung:

- Hybridzyklogenese durch über Meer ziehenden Kaltlufttropfen
- starker Druckgradient auf engsm Raum
- gewittrige Starkregenfälle
- Gute Modellierung durch die Lokalmodelle, sehr schlechte durch Globalmodelle

Also sind die Traumstrände der Goldküste Bulgariens im Herbst und Winter auch nicht gerade traumhaft...

Gruß

Manfred

Sonntag, 16. Oktober 2011

Was wurde aus dem Medican ?

Hallo,

einen schönen Sonntag Abend wünsche ich der wetterinteressierten Gemeinde !

Wie es sich für einen Sonntag gehört, präsentiere ich heute gemütlich-einfache, aber nicht weniger spannende Kost. Sie lässt sich auf die Überschrift reduzieren, die ich wiederhole: Was wurde aus dem am Freitag im Raum stehenden Medican ?

Auf meiner Facebookseite habe ich diese Animation gepostet (Ausgangslage Freitag, 06 Uhr):



Hier hat das WRF ein die Bildung eines kleinräumigen, intensiven Wirbels mit einem Durchmesser von ca 150 bis 200km Durchmesser angeneommen, der seine intensiveste Phase am Samstag Nachmittag über dem Ionischen Meer haben sollte, also dem Teil des Mittelmeers zwischen Sizilien und Griechenland.

Dabei wurden großräumig Windgeschwindigkeiten zwischen 30 und 40 kt simuliert, sowie in einem Ring (Durchmesser ca 30-40km) um das Auge sogar bis 50, 60 kt.

War das eine Modellspinnerei ?

Schauen wir uns es anhand der Beobachtungen an:



Wir sehen hier einen Stationskarte (wie sie Meteorologen verwenden) von Samstag 09 Uhr. Italien und Griechenland haben jetzt und hatten wohl schon länger andere Sorgen als den Betrieb eines ordentlichen Wetterstaionsnetzes, deswegen ist die Anzahl der Stationen beschränkt. Man sieht kräftigen Wind (20 ktr im Mittel über Sizlien, dort wo der Medican sein sollte ist natürlich keine Meldung vorhanden.



Um 11 Uhr sind es noch weniger Meldungen. Ich bringe diese Karte aber aus einem anderen Grund. Der Analysealgorithmus für die Isobaren nutzt als Hintergrund das EZ-Modell.. dieses hatte ein schwaches Tief vor Griechenland zu diesem Zeipunkt simuliert.... das ist beileibe kein Medican !



Um 12Z dann der Glücksfall. 2 Schiffe fahren durch das Ionische Meer und geben eine Wettermeldung ab. 35 kt im Mittel aus Süd ! Dabei ist der gemessene Druck genauso hoch wie über Sizilien. Logische Schlussfolgerung: Zwischen der Position der Schiffe und Sizilien muss zangsläufig ein kräftiges, kleinräumiges Tief liegen, anders wären so hohe Windgeschwindigkeiten nicht erklärbar...



.. um 15Z das selbe Bild. Das Schiff ist weiter nach Norden getuckert und meldet immer noch brav 35 kt aus Süd. Das ECMWF Modell (Hintergrundsfeld) hat den Tiefkern an einer Stelle, wo er gemäss dieser Schiffsmeldung nicht sein kann, vor der Libyschen Küste...

Succus: Da war etwas zwischen den Schiff und Sizilien, was laut dem Globamodell nicht da hätte sein dürfen. Ein kleinräumiges, intensives Druckminimum, nennen wir es ColdCoreMedican. Die 30 - 40kt in der größeren Umgebung des Medicans, wie das WRF es prognostiziert hatte, konnten genauso wie die Position des Tiefs durch 3 Schiffsmeldungen bestätigt werden. Welche Windgeschwindigkeiten aber um das Auge herrschten, das ist nicht eruierbar.

Lg

Manfred


Donnerstag, 13. Oktober 2011

Einjährliches Starkregenereignis am Alpenostrand

Hallo,

irgendwie geht dieser Tage keine einzige Front *normal* durch. Keine Front die nicht irgendwie Überraschungspotential birgt. War es zu Wochenbeginn eine markante Warmfront die die Modelle in der Schweiz und in Vorarlberg massiv unterschätzt haben, so brachte die schleifende Front gestern in einer Gegend, wo es auch der Blogger nicht erwartet hätte, ein deftiges, einjähriges Starkregenereignis. Die Rede ist vom Bezirk Mödling, genauer gesagt dem Stadtrand von Wien, nämlich von Brunn am Gebirge. Hier die 24-stündigen Niederschlagsmengen:




Und im Zoom auf den Raum Wien:


Man sieht hohe Mengen im Wienerwald (mehr als 40mm), als auch in einem schmalen Streifen von Baden bis zum Wiener Südrand mit 40 bis 60 L/m², die in 18 Stunden gefallen sind.

Hier der Stationsverlauf der Station Brunn:




Gehen wir es durch: Am Vormittag geht die Front durch, der Wind dreht auf Nord, Regen setzt ein. Nicht besonders viel allerdings...

Dann, am Abend gehen die Niederschlagsraten deutlich nach oben (teils 8mm / Stunde) und der Wind dreht auf Süd bis Ost.... um später wieder auf Nord zu drehen, da gehen die Regenraten aber deutlich zurück.

Diese Winddrehung zum Zeitpunkt der Intensivierung des Regens war nicht auf die Station beschränkt, sondern ein regionales Phänomen...

Herrschten am Vormittag nach Frontdurchgang normale Verhältnisse (Nordwind)..



.. so dreht am Abend der Wind im Wiener Becken überall auf Nordost bis Südost....


Der Wind hat dann eine Komponente die gegen den Wienerwaldahang gerichtet ist, was im weiteren wichtig ist.


Irgendwie hatte er aber keinen Grund mitten im Regen zu drehen ... schauen wir uns den reduzierten Druck an:


.. man sieht sehr ausgeglichene Verhältnisse und nur geringfügig geringeren Druck westlich des Wienerwaldes als östlich. Eine Erklärung für die Winddrehung mag die Frontenkarte zu jenem Zeitpunkt geben:



Zu jenem Zeipunkt schreitet die Front vom Mühlviertel bis St. Pölten gerade ins Alpenvorland herab. Man sieht auch einen schönen Bodentrog, in dem die Front eingebettet ist. Hier herrscht also etwas Druckfall. Zum zweiten sieht man, wie sich hinter der Front über Ungarn und der Slowakei ein kleiner Druckpolster (Druckanstieg durch Kaltluftadvektion) aufbaut.

All das zusammen führt zu Ostwind im Raum Wien, für ein paar Stunden.

Ostwind allein macht noch keinen Regen .... und jetzt kommts: Jeder der gestern im Osten unterwegs war, hat gesehen, dass die Luft hinter der Kaltfront immens feucht war. Tiefhängende Wolken, Kampfnieseln im Regen etc. Weht Ostwind über den Wienerwald wird so eine Luftmasse um gut 400m gehoben und ausgepresst.. es kampfnieselt.

Über diesen gehobenen tiefen Wolken fällt aber natürlich auch noch der frontale Niederschlag. Bei so einer Konstellation kann etwas geschehen, das sich Feeder-Seeder Prozess nennt.

Eine hochreichende Wolke regnet in tiefe Wolke hinein und wenn diese tiefe Wolken sehr viel Flüssigwasser, so wie gestern der Fall. hat, können sich die Wolkentröpfchen an die Regentropfen anlagern und die tiefe Wolke auch noch zusätzlich zum Ausnieseln zwingen. Für weiteren Feuchtenachschub und für Flüssigwasser war durch den Ostwind in den tiefen Schichten ja ausserdem noch gesorgt.. und tata... die hohe Regenmengen zwischen Baden und Wien können plausibilisiert werden.

Hier eine schematische Karte des Prozesses von Radarpapst Willi Schmid:



Endet der Hebungsprozess, wie später mit der Winddrehung auf Nord, fällt der Feederteil weg und es bleibt nur noch der normale Regen über.

Kann man das vorhersagen ? Njet. Ich empfinde das nicht als unbefriedigend, wo kämen wir denn hin, wenn uns beim Wetter nichts mehr überrascht...

Lg

Manfred